Mittwoch, 12. Januar 2011

Rapunzel – Neu verföhnt


Ich hatte mich vor Weihnachten davon abbringen lassen, „Rapunzel“ anzusehen – das hätte ich mal lieber nicht getan. „Rapunzel“ ist neben „Inception“ von den Filmen, die ich gesehen habe, 2010 der wohl beste. Die beiden Werke lassen sich natürlich kaum vergleichen – „Rapunzel“ hinterlässt aber auch noch gute Laune, so eine hübsche Geschichte. Und ist übrigens der fünfzigste Disney-Hauptfilm.

Die Story basiert lose auf dem Märchen, fügt aber noch eine Liebesgeschichte inklusive dem Dieb Flynn sowie einen Haufen Nebencharaktere ein. Dazu gehört Rapunzels Freund Pascal, ein winziges Chamäleon, der Disney-typische lustige Sidekick. Und wenn es ein Disney-Film ist, wird natürlich auch gesungen, zum Ende gibt es noch eine Version des Hauptthemas gesungen von Monrose. Wo man nebenbei noch erkennen kann, dass die drei Mädels in der Tat singen können, ob einem die Musik nun gefällt oder nicht.

Stattdessen gibt es einen Haufen netter Gags, eine auch für Erwachsene leidlich spannende Handlung und eine passend große Portion Kitsch. Da wäre etwa die Szene mit den Himmelslaternen. Hach, war das schön. Kann man (also ich ) sogar ein paar Tränen verdrücken angesichts Rapunzels kindlicher Begeisterung. Ich habe außerdem noch keinen Film gesehen, in dem die 3D-Effekte so passend eingesetzt wurden, selbst in „Avatar“ nicht.

Unsere beiden virtuellen Hauptdarsteller machen ihren Job ganz hervorragend, ebenso die deutschen Synchronsprecher Moritz Bleibtreu und Alexandra Neldel. Der verzeihe ich hiermit ihren furchtbaren Auftritt bei „Bang Boom Bang“.

Den besten Knüller hebe ich mir aber für den Schluss auf. „Rapunzel“ ist, man glaubt es kaum, der zweitteuerste Film aller Zeiten. Teurer kam nur der dritte „Fluch der Karibik“-Teil, und den kann man genau genommen nicht richtig berechnen, da er ja mit dem zweiten Film der Reihe zusammen produziert worden ist. „Rapunzel“ hat schlappe 260 Millionen Dollar gekostet. Unfassbar. Ich bin mir absolut sicher, das geht billiger. Das möchte ich auch hoffen, denn mit diesem Film haben auch die Disney Animation Studios gezeigt, dass sie Vorzeigbares machen können und nicht immer alles von Pixar gestemmt werden muss. Obwohl Ausführender Produzent hier John Lasseter war.

PS: Hier ein kleines Werbevideo für Rapunzels heilendes Haar!

Mittwoch, 5. Januar 2011

Meine Frau, unsere Kinder und ich


Frohes Neues Jahr! Im Weihnachtsurlaub habe ich mir natürlich auch Filme angesehen, mangels vernünftiger Internetverbindung aber nichts online gestellt. Hier also Streich Eins:

Die Fockers sind wieder da – was soll da schon schief gehen? Die ersten beiden Teile sind Komödien-Klassiker, Ben Stiller hat es wieder geschafft, alle Schauspieler vor die Kamera zu zerren und außerdem noch weitere große Namen zu verpflichten. So Harvey Keitel als mies gelaunter Bauarbeiter, Laura Dern als Kindergarten-Direktorin und Jessica Alba (süß wie immer!) als etwas überdrehte Pharmareferentin.

Nur: leider reicht das nicht. Regisseur Jay Roach produziert diesmal nur, dem neuen Mann auf dem Regiestuhl kann man also nicht anlasten, dass „Little Fockers“ (im Original) nur noch ein blasser Abklatsch der ersten Filme ist.

Ja, es gibt schon noch gute Gags und Situationen von derartiger Absurdität, dass es einen vor Lachen schüttelt. Leider sind die eher dünn gesät, die Konflikte ebenfalls, und damit alles, was die anderen beiden Teile ausgemacht hat.

Ich habe mich jetzt nicht wirklich geärgert, aber das Geld für die Karten hätte ich mir sparen können. Ach ja: laut Wikipedia hatte der Film ein Budget von über 100 Millionen Dollar. Wo die nur geblieben sind? Der Film selber kann jedenfalls nicht allzu viel gekostet haben.

Dienstag, 23. November 2010

Somewhere


Filme, die Preise abräumen, sind ja grundsätzlich schon verdächtig. Sofia Coppolas letztes Werk hat den „Goldenen Löwen“ gewonnen – ansehen kann man sich den Film aber trotzdem. ;)
Johnny Marco (Stephen Dorff) ist ein Hollywood-Star und lebt als Dauerbewohner einer Suite im Hotel. Sein Leben besteht aus Trinken, Rauchen, Gelegenheitssex und Parties. Zuweilen besucht ihn seine Tochter Cleo – das elfjährige Mädchen ist das einzig Normale in dem ganzen Film.
Die Leere seines Daseins zeigt sich gleich am Anfang, als man Marco sieht, wie er minutenlang mit seinem Ferrari in der Wüste Kreise fährt. Wenn er einfach in seiner Suite auf dem Sofa sitzt, trinkt und raucht. Eine hübsche Szene haben wir da, wo Marco vor sich hin starrt, einen Schluck aus der Flasche nimmt, einen Zug von seiner Zigarette, wieder einen Schluck und dann die Flasche abstellt. Dann schaut er sich das Obst auf dem Tisch an, nimmt eine Birne in die Hand und legt sie wieder weg. Klasse.
Eines Tages ruft Layla, Cleos Mutter, Marco an und sagt ihm, sie müsse Zeit für sich allein haben und lässt ihr Kind bei ihm. Notgedrungen nimmt er Cleo mit auf die Promotour für seinen neuen Film und hat gute Mühe, sein Sexualleben vor seiner Tochter geheim zu halten – die selbiges natürlich missbilligt.
Cleo ist womöglich schon an Marcos Luxusleben gewöhnt, zeigt sich aber trotzdem noch recht normal, etwa wenn sie Frühstück für ihren Vater macht. Andererseits hat sie kein Problem, für ihr Sommercamp mit Papis Kreditkarte einzukaufen und sich dann mit dem Hubschrauber dorthin fliegen zu lassen.
Marco wird nach dem Abschied von seiner Tochter klar, dass sich in seinem Leben etwas ändern muss. Er versucht, selber Essen zu kochen und lässt in der letzten Szene seinen Wagen mit steckendem Schlüssel stehen.
Stephen Dorff, mir hauptsächlich als Bösewicht aus „Blade“ bekannt, zeigt hier wie dort, dass er ein wandlungsfähiger, talentierter Schauspieler ist. Etwa wenn Johnny Marco einen Termin bei einer SFX-Firma macht, die seinen Gesichtsabdruck nehmen wollen. Und dann 40 Minuten unter einer Gipsmaske verbringen darf.
Der Film hat gute Momente. Leider ist die Moral so vorherseh- wie durchschaubar. Ich bin also ein wenig enttäuscht – von Marcos Konflikten wird kaum etwas tiefer dargestellt, warum ist seine Ehe gescheitert, warum ruft er in Depressionen seine Exfrau an, was genau macht die Leere in seinem Inneren aus? Vielversprechend: Elle Fanning als seine Tochter, die jüngere Schwester von Dakota Fanning. Hübsch auch Benicio del Toro, der einen Cameoauftritt im Aufzug eines Luxushotels hat.
Die Musik von Phoenix kommt spärlich und passt meiner Meinung nach dann kaum. Das einzig gute ist das Titelstück, das die Motorengeräusche von Marcos Wagen aufgreift. Sofia Coppolas Freund ist Musiker und spielt bei Phoenix. Möglicherweise wäre es besser, das jemandem zu überlassen, mit dem man nicht verbandelt ist.

Montag, 1. November 2010

R.E.D.


Eine Agenten-Altherrenriege im Ruhestand, die den jungen Schnöseln noch mal zeigt, wo der Hammer hängt? Könnte ja ganz lustig sein! Und gut besetzt ist der Film auch noch! Bruce Willis, Helen Mirren, John Malkovich, Morgan Freeman und – kaum zu erkennen – Richard Dreyfus spielen den armen Karl Urban direkt an die Wand. Oh, und als CIA-Archivar: Ernest Borgnine. Ich hatte gedacht, der wäre tot.

„Flightplan“-Regisseur Robert Schwentke schafft es leider nicht, diese Actionkomödie stringent umzusetzen. Der Film hat eine Reihe Highlights, etwa die Anfangssequenz, in der Bruce Willis gezeigt wird, wie er die Pension nicht wirklich verkraftet, morgens um 06.00 aufwacht ohne Wecker, trainiert, sein Essen macht und mit der Frau vom Agenten-Pensionsfonds redet, seiner offensichtlich einzigen Abwechslung.

Stellenweise brutal schafft der Film es jedoch nicht, die nötige Leichtigkeit für eine Komödie aufzubringen, oft genug ist er einfach nur albern. Die Momente, die tatsächlich ernst sind, kommen daher zu unvermittelt. Die Actionszenen hat man so auch schon gesehen.

Alles in allem – schade. Sowohl Schauspieler als auch das Sujet hätten eine Menge Potenzial gehabt. Also, auch hier wieder mein trauriges Lieblingsfazit: Hier wäre erheblich mehr drin gewesen.

Samstag, 23. Oktober 2010

Iron Man 2


Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe auf die Kritiken vertraut und mir „Iron Man 2“ nicht im Kino angesehen. Acht Euro für die DVD wollte ich aber doch riskieren. Und was soll ich sagen, natürlich hält „Iron Man 2“ mit seinem Vorgänger mit.

Jon Favreau (der auch Tony Starks Leibwächter spielt) führt die Linie des ersten Films stringent weiter. Auch wenn andere Leute was anderes behaupten, hier findet sich genauso der subversive Humor von „Iron Man“ wieder, Robert Downey jr. läuft hier ebenfalls wieder zu Hochform auf.

Überhaupt ist der Film gut besetzt. Sein Gegenspieler ist Mickey Rourke, womit wir nun zwei Achtziger-Stars haben, die einen üblen Absturz erlebt haben und heute wieder da sind. Don Cheadle spielt Lt. Col. Rhodes (der einzige Schauspieler, der gegenüber der Originalbesetzung ausgetauscht wurde), Gwyneth Peltrow ist wieder als Pepper Potts zu sehen. Scarlett Johansson als Black Widow macht wortwörtlich eine gute Figur, Samuel L. Jackson als ihr Boss Nick Fury ganz genauso - gut, nicht wortwörtlich. Großer Vorteil: Marvel hat nun selbst die Filmproduktion in Händen. Und deswegen werden wir in den nächsten Jahren eine Reihe Cross-Overs sehen, Jackson allein wird in insgesamt neuen Filmen seine Rolle verkörpern. Alles wirkt nun deutlich stringenter.

Dieselbe Leichtigkeit wie im Vorgänger durchzieht den ganzen Film, selbst in der Szene, in der Tony Stark Frieden mit seinem Vater schließt. Umgeben von Hologrammen und anderer Higtech sieht sich Stark eine Botschaft seines Vaters für ihn aus den Siebzigern auf 16mm-Film an. Sehr hübsch.

Einer der Höhepunkte ist die Senatsanhörung, in der Stark seinen Superanzug gegenüber dem Militär und Politikern verteidigt, die das Ding gerne selbst kontrollieren möchten. Dass Stark in Heimarbeit noch eben ein neues chemisches Element bastelt, sei dem Sujet verziehen. Stattdessen bekommt man auch hier mal wieder zu sehen, zu was Hollywoods Tricktechnik in der Lage ist.

Also: der dritte Teil, der für 2013 avisiert ist, kann kommen. Ebenso die „Avengers“, in der Downey Jr. einen Gastauftritt hat. Allerdings führt Joss Whedon Regie und schreibt auch das Drehbuch. Und nachdem ich ihn zeitweilig für talentiert gehalten habe, musste ich leider erkennen, dass Whedon eher ein Talent für Kassengifte hat, die eine Nerd-Gefolgschaft haben – „Firefly“ etwa. Wer sonst kommt schon auf die Idee, SF mit Western zu verbinden.

Aber ich schweife ab. Ich werde den Film jedenfalls fürs Kino vormerken.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Kongo


Ein verzwickter EUFOR-Einsatz, ein Feldwebel, der angeblich Selbstmord begangen hat, der Verdacht auf ermordete Zivilisten – der Job von Oberleutnant Ziegler (Maria Simon) ist nicht leicht. Die junge Offizierin der Feldjäger kommt in ein deutsches BW-Lager im Kongo, um dort den Tod eines Soldaten zu untersuchen. Und schon bald finden sich Ungereimtheiten.

Das Szenario ist sehr gut gewählt – im Ost-Kongo geht es bereits seit Jahren zur Sache. Kindersoldaten, grauenhafte Verletzungen durch Macheten, Vergewaltigung, Tod und spannende Rohstoffe sind eine ganz schlechte Kombination.

Teamworx hat für das ZDF einen Fernsehfilm gemacht, der die Themen Auslandseinsatz und Probleme im Kongo vereint. Daraus einen spannende, aufrüttelnden Film zu machen, wäre eigentlich kein Problem gewesen. Stattdessen bekommen wir hier ein Kammerspiel serviert, das von Pappfiguren bevölkert wird: die ehrgeizige Offizierin, die sich in einer Männerwelt durchsetzen muss, der kommandierende Offizier, der sich als Feingeist entpuppt, ein ruppiger Hauptmann (Jörg Schüttauf), der die Ermittlungen behindert, schießgeile Soldaten und welche, die innerhalb von Minuten posttraumatische Stresssyndrome entwickeln. Huhu, das heißt „posttraumatisch“, weil es noch Jahre später auftaucht.

Ne, Leute – bei der Bundeswehr hieße es „Nochmaaaaal!“ Hier ist das leider nicht möglich. Die ganze Thematik der Brutalität war den Filmemachern entweder für einen Fernsehfilm zu hart, oder sie haben sich nicht getraut. Man hätte außerdem tatsächlich einen Blick auf das Dilemma unserer Soldaten im Ausland werfen können, wo man nie weiß, wer ist Gegner und wer nicht, wem helfen wir, wem nicht, was ist hier das Richtige und gibt es das überhaupt?

Hölzerne Dialoge täuschen über mannigfaltige Fehler in Ausrüstung, Verhalten und Gebaren der Soldaten auch nicht mehr hinweg. Ganz schlimm die Dramaturgie – in der „Actionszene“ kurz vor Schluß läuft Oberleutnant Ziegler hinter ihrer fliehenden Übersetzerin her, stolpert über eine Wurzel und erlebt dann eine Art Traumsequenz. Ich hätte ja gedacht, dass man wieder aufsteht, wenn man fällt. Aber man kann auch wie die junge Dame durchdrehen, mit der Waffe in die Luft schießen und dann warten. Hilfe kommt natürlich gleich in Form des Hauptmanns, ihres Haupt-Antagonisten (sorry, ich konnte nicht anders), der bei „Mann unten!“ natürlich sofort persönlich Soldaten rettet. Mannomann.

Weiter warte ich auf einen Film, der das Thema der Auslandseinsätze der BW atmosphärisch dicht eindringlich darstellt. Liebe Filmemacher, habt Mut – das geht.

Sonntag, 26. September 2010

No country for old men



Jaja, ich weiß, ich hätte mir den Film schon eher ansehen sollen. Aber die DVD lag da und lag da … es ist ganz klar der Gesichtsausdruck von Javier Bardem auf dem Cover, der mich davon abgehalten hat.

Die Gebrüder Coen haben sich wieder mal mit dem Thema Verbrechen und Gewalt beschäftigt. Ein Vietnam-Veteran (Josh Brolin) und Trailer Park-Bewohner in Texas gerät Anfang der Achtziger zufällig an zwei Millionen Dollar Drogengeld. Das hätten deren Eigentümer gerne wieder, außerdem ist ein Sheriff (Tommy Lee Jones) allen auf den Fersen.

Und ums gleich zu verraten: das geht nicht gut aus. Besonders brillant dabei ist der Spanier Javier Bardem in der Rolle des Drogendealer-Killers. Er tötet bevorzugt mit Druckluft und einer Pumpgun mit Schalldämpfer. Und glaubt’s mir, ich hatte selten so viel Schiss vor einer bestimmten Person. Ich hoffe, der begegnet mir nie im Dunkeln. Dazwischen turnt noch Woody Harrelson herum, der dafür sorgen soll, dass das Geld auch wirklich wieder bei den Eigentümern ankommt.

Hier kommt auch der wohl hinreißendste Dialog im ganzen Film vor, wird bei imdb komplett ignoriert. Harrelsons Charakter, ein Killer, sagt zu einem Drogenboß, der sein Büro in einem Hochhaus hat: „Ich habe die Stockwerke gezählt – es scheint eins zu fehlen.“ Antwort: „Wir kümmern uns darum.“ Was wollen sie wohl tun? Noch ein Stockwerk einziehen?

Ansonsten gibt’s in dem Film weniger zu lachen. Aber jede Menge bemerkenswerter Szenen. Zum Beispiel der Sheriff, der mit einem nicht allzu schlauen Deputy geschlagen ist, doch trotzdem nie die Contenance verliert. Oder die interessanten Gespräche des Killers, die allzu häufig damit enden, dass nur einer überlebt.

All das ist bemerkenswert ruhig inszeniert und verliert trotzdem keine Sekunde die Spannung. Einen Showdown im klassischen Sinne haben wir nicht, stattdessen erzählt uns Tommy Lee Jones am Ende zwei seiner Träume, über die es einiges nachzudenken gibt.

Trivia: Josh Brolin wollte die Rolle unbedingt und bat am Set von „Planet Terror“ Robert Rodriguez, ein Demotape von ihm zu machen. Was damit endete, dass Rodriguez Regie führte und Quentin Tarantino die Kamera bediente.

Persönlich eher geschmacklos finde ich, dass der Sheriff sich mit seinem Amtskollegen in El Paso unterhält und der den Niedergang der Gesellschaft beklagt. Gerade erst sei ein Richter erschossen worden. Das ist in der Realität 1979 tatsächlich geschehen, und der Täter, ein Auftragsmörder, war niemand anderes als Woody Harrelsons Vater.
 

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