
Hach, welche Aufregung, nach zwölf Jahren Abstinenz kommt ein neuer Film meines Lieblings-Regisseurs James Cameron in die Kinos. Welch großen Erwartungen hat man da! Können die überhaupt erfüllt werden? Und der Streifen soll auch gleich alle Dimensionen sprengen, denn nichts weniger als die Rettung des Kinos naht: nämlich 3D!
Laut der Werbung ist ja erst im Jahre 2009 das 3D-Kino erfunden worden. Nur blöderweise gab es schon in den Fünfzigern einen Haufen schwarz-weiß-B-Filme in 3D, und kann sich noch wer an den „Weißen Hai 3“ erinnern? Der war auch in 3D – und dank Polarisationsfilter sogar in Farbe.
Nichts anderes kommt hier zum Einsatz. Und wie seit Jahrzehnten darf man sich eine stylische Brille aufsetzen. Ja, und was sage ich jetzt dazu? Wenn das die einzige Möglichkeit ist, das Kino zu retten, sehe ich nicht 3D in Farbe, sondern schwarz. Schön, ist ganz nett, holografische Darstellungen auch tatsächlich dreidimensional zu sehen. Doch den heftigen Mehrpreis ist es kaum wert, ein ganz netter Effekt, aber ich kann mir jetzt nicht vorstellen, nur deswegen sofort ins Kino zu rennen und mal eben 13 Euro pro Vorstellung abzudrücken.

Aber ich wollte ja was zum Film schreiben. „Avatar“ ist eine Mischung aus Karl May, „Der mit dem Wolf tanzt“ und dem Buch „Die denkenden Wälder“. Letzteres übrigens ein ganz hervorragender SF-Klassiker von Alan Dean Foster, das längst eine eigene Verfilmung verdient hätte.
Wäre alles nicht so schlimm, doch hier bleiben die Charaktere flacher als ihre 3D-Darstellung. Auch Sigourney Weaver und Michelle Rodriguez schaffen diesen Sprung nicht, ebenso wenig Zoe Saldana, die man nur als CGI-Alter Ego sieht. Die ganze Handlung ist extrem vorhersehbar. Bisher hat der Kanadier es aber immer geschafft, dem Ganzen epische Breite zu verleihen, es gefühlsmäßig aufzuladen. Ganz außergewöhnlich etwa bei „Titanic“, der mich heute noch zum Heulen bringt.
Das fehlt hier fast komplett. „Avatar“ lässt einen nicht völlig kalt, doch ich zittere nicht wirklich mit. Ich freue mich stattdessen an der vielleicht nicht revolutionären, aber doch überaus beeindruckenden Tricktechnik, die mich irgendwann vergessen lässt, was genau nun Trick- und was Realszenen sind.

Gerade die Gesichtsmimik der Charaktere zaubert mir ein breites Grinsen aufs Gesicht. Mit Davy Jones aus dem „Fluch der Karibik“ hält sie zwar nicht mit, doch dafür bekommen wir viel mehr davon. Kein Vergleich mehr etwa mit den statischen Ausdrücken in „Final Fantasy“.
Auch ein wenig langweilig ist das Industriedesign der Menschentechnik, eigentlich ist das ja Camerons Spezialität. Doch das sieht alles schon ziemlich nach „Aliens – Die Rückkehr“ aus, Musik ist übrigens von James Horner, hört man sofort. Und leider ist ihm zu den Na’Vi nicht mehr eingefallen als afrikanisches Ethno-Zeugs.
Tja – schade. Würde es hier Schulnoten geben, gäbe es eine „2“. Das ist natürlich nicht übel, aber das schlechteste Ergebnis eines James-Cameron-Films bei mir. Er hat außerdem angedroht, bei Erfolg zwei weitere Streifen zu machen. Ob ich mich darauf freuen soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Hätte ich das Drehbuch vorher gesehen, würde ich sagen „Nicht schlecht, aber jetzt gib’ mal richtig Gas!“ Hier wäre so viel mehr drin gewesen – ich befürchte fast, Cameron hat viel mehr Spaß daran gehabt, seine Tricktechnik zu entwickeln als die Story.